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MINE - Nicht zu schubladisieren

Wenn man sich bei der Berliner Allroundmusikerin Mine auf eines verlassen kann, dann ist das der Umstand, dass sie bei jedem Projekt, das sie anfasst mit ungewöhnlichen Ansätzen, Konzepten und Perspektiven zu überraschen weiß – sei es auf musikalischer, inhaltlicher oder formaler Ebene. Das ist natürlich auch bei ihrem neuen Album mit dem malerischen Namen ´Klebstoff´ wieder so.

Nachdem sie zuletzt mit ihrer selbst organisierten Orchesterproduktion und der Kollaboration ´Alle Liebe Nachträglich´ mit Rap-Kollege Fatoni von sich reden machte, ist sie nun wieder in eigener Regie unterwegs. Was fasziniert Mine aber so am Klebstoff, dass sie den zum Titelsong und zum Covermotiv machte (auch wenn es auf dem Foto tatsächlich nur Agavendicksaft ist)?

„Mein Gedanke bei der Klebstoff Sache war die: Wenn man Klebstoff an den Händen hat und versucht, etwas anzufassen, ohne dass es kleben bleibt, gelingt das natürlich nicht“, führt Mine aus, „in dem Song geht es darum, dass man sich outet indem man sagt, dass man eine schlechte Eigenschaft hat, die wie Klebstoff ein einem haftet, weil man irgendwo aus Versehen mal reingefasst hat. Ich weiß also, dass ich mich nicht gut verhalte, mache es aber trotzdem – weil ich es anders nicht hinbekomme, bin mir aber dessen bewusst und sage das auch. Heutzutage bekommt man ja sonst eher den Satz zu hören 'ich konnte es nicht besser machen'. Und da bin ich der Meinung, dass die Leute sich ein bisschen hinter diesem Gedanken verstecken. Ich bin hingegen der Meinung, dass jeder anders kann und dafür verantwortlich ist. Das auszusprechen hilft dann schon, das zu erkennen.“

Gab es einen bestimmten Anlass, der zu diesem Gedankengang führte?

„Ja, denn meine Mutter ist vor anderthalb Jahren verstorben. Ich war eigentlich immer für sie da – hatte aber das Gefühl, dass ich es nicht bin und das ich noch hätte mehr machen können“, resümiert Mine, „dieses Gefühl hat mich durch das ganze letzte Jahr getragen und ich habe dann auch oft mit anderen darüber gesprochen – und dann festgestellt, dass sich auch andere so fühlen. Und dann habe ich gemerkt, dass man vielen Leuten auch die Schwere nimmt, wenn man darüber spricht – weil man dann nicht alleine ist.“

Legt es Mine eigentlich darauf an, sich durch ihren einzigartigen Stil- und Soundmix von anderen abzusetzen?

„Ja – wobei aber Vergleiche mit anderen ja nicht immer schlecht sein müssen“, gibt Mine zu bedenken, „eine Kopie zu sein, ist eher das, was nicht so gut wäre. Ich habe schon alle möglichen Vergleiche gehört und wenn jemand sagt 'das erinnert mich an dies und das' und ich das selbst gut finde, dann sage ich sogar 'wow – vielen Dank'. Aber eine Kopie will ich nicht sein.“

Dazu gehört vielleicht auch, dass Mine zwar viel mit rhythmischen Elementen, Sprache und Hip-Hop arbeitet – aber den Pop-Aspekt nie aus den Augen verliert – wie das viele ihrer Kollegen tun.

„Das liegt aber wohl eher daran, dass viele gar nicht poppig klingen wollen, weil das sie meinen, dass das uncool sei“, schränkt Mine ein, „ich habe aber - ehrlich gesagt – vor gar nichts Angst. Ich will das machen, was mir persönlich gut gefällt. Und es gibt ja auch viele Leute, die das gut machen, Rhythmus und Melodie zu verbinden – auch international. Und das ist die Art von Musik, mit der ich auch aufgewachsen bin.“

Und wonach sucht Mine selbst als Songwriterin?

„Ich will frei von Genres sein“, überlegt sie, „damit bin ich am Anfang oft angeeckt und es war schwer, jemanden dafür zu interessieren, weil es eben schwierig zu schubladisieren ist. Viele sagen auch, dass ich dadurch keinen runden Sound habe, der sich einordnen ließe – was ich auch verstehen kann - aber ich selber bin ein Fan von Scheiben, auf denen jeder Song unterschiedlich produziert ist. Und genau das ist ja auch mein Ziel.“

Aktuelles Album: Klebstoff (Caroline) Vö: 12.04.
© 01. April 2019  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Ullrich Maurer ||| Datenschutz
April 2019


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