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LA DISPUTE - Wie man sich selbst weniger ernst nimmt

Leidenschaft – sie hält den Motor bei La Dispute am Laufen. Leidenschaft hat Frontmann Jordan Dreyer vor allem für das geschriebene Wort. Auf ´Panorama´, dem vierten Album der Post-Core-Band aus (ursprünglich) Michigan, macht er wieder Poesie zu Musik. Das hat Ecken, Kanten und – ja, das war‘s – denn emotional glatt sind andere. Vielleicht.

Auf welche Weise habt ihr euch auf ´Panorama´ neu erfunden?

„Grundregel ist, dass wir uns niemals wiederholen wollen. Das wäre eine sehr langweilige Existenz, wenn man schon vor Jahren aufgehört hätte, sich weiterzuentwickeln. Die neue Platte transportiert ein breites Spektrum von Emotionen. Die Höhen und Tiefen sind stark betont, das macht sie sehr menschlich, würde ich sagen.“

Eure neue Platte könnte auch etwas sein, um ganz neue Fans zu „überzeugen“.

„Ich bin gespannt. Ehrlich gesagt habe ich bei jeder Platte gedacht, dass die Menschen sie hassen werden. Meine Stimme ist einfach auch nichts für jedermann. Das ist ok. Ich weiß ja selbst nicht, was ich dachte, als ich meine Stimme das erste Mal auf einer Aufnahme gehört habe (lacht). Ich schätze, ich konnte sie gar nicht mir zuordnen.“

Fühlt ihr euch entfremdet von euren alten Alben?

„Oh ja, wenn du irgendetwas Künstlerisches erschaffst, ist das immer ein Schnappschuss von einem ganz bestimmten Moment in einer ganz bestimmten Phase. Du machst ihn und reichst ihn rüber zu den Leuten da draußen. Er wird dann zu einem Teil ihres Lebens.“

Ist das schlecht?

„Dieses Konzept der Dauerhaftigkeit, das verunsichert. Ein Freund von mir ist Grafiker, weigert sich aber, Tattoomotive zu entwerfen. Er sagte „Ich entwickle mich doch ständig weiter. Wenn ich ein Tattoo für jemanden male und das Jahre später auf dessen Haut sehe, denke ich: ‚Oh cool, das stammt aus der Zeit, als ich noch keine Hände malen konnte‘. Besser nicht.“

So finden es viele Bands schwierig, live immer diesen einen beliebten Song spielen zu müssen.

„Ja, das ist vergleichbar und eine lustige Sache. Der erste Song auf unserem Debüt sollte nur eine Art Einführung sein und ist nicht mal ein ganzer Track. Doch die Leute lieben diesen Song. Und für eine lange Zeit, genau aus diesem Grund, haben wir den Song NICHT gespielt (lacht). Wir dachten, wir haben doch bessere Songs. Wenn Bands dieses Stück haben, das alle anzieht, gibt es eine innere Stimme, die dich selbst von diesem Song wegtreibt.“

Welcher Text hat dich in der letzten Zeit begeistert?

„Fast jeder Augenblick meines Lebens ist von solchen Momenten durchzogen. Ich lese gerade ein Buch, das ist sehr entmutigend, dick und intellektuell komplex. Ich liebe solche Bücher. Ich liebe Menschen, die so phänomenal intelligent sind. Es ist beeindruckend, wie sie Wörter auf einer Seite arrangieren – so viel besser, als ich es jemals könnte. Das Buch heißt ´The Tunnel´. Der Autor, William Gass, hat 26 Jahre daran gearbeitet. Ich habe mal gelesen, dass er den ersten Teil des Buches besonders schwer gemacht hat, um sicherzustellen, dass nur die Leser dranbleiben, die der Herausforderung wirklich gewachsen sind. Was für ein Arschloch (lacht).“

Er fühlt sich überlegen. In welchem Moment gibst du dich mal so?

„Ich denke, das würde ich nur tun, wenn ich merke, dass jemand andere Menschen permanent von oben herab behandelt. Ich würde dann versuchen, etwas Klügeres zu sagen, dabei aber die andere Person nie bewusst vorführen. So was ist armselig.“

Welche Herausforderung würdest du gern mal annehmen?

„Ich würde eines Tages gern mal etwas anderes als Songs schreiben: ein Buch mit Kurzgeschichten oder Gedichten. Allerdings kann ich mir nicht vorstellen, die erforderliche Disziplin aufzubringen, jeden Tag an so einem Projekt zu arbeiten.“

Aktuelles Album: Panorama (Epitaph)
© 01. April 2019  WESTZEIT ||| Text: Christine Stiller ||| Foto: Jon Stars ||| Datenschutz
April 2019


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