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EUT - Total World Domination

Der Versuch, dem Namen des niederländischen Quintetts EUT eine über den lautmalerischen Effekt hinausgehende Bedeutung zumessen zu wollen, muss zwangsläufig ins Leere laufen. Denn die Band um die quirlige Frontfrau Megan de Klerk hat den Namen gerade deswegen gewählt, weil er sich einer Interpretation von außen verschließt. ´EUT´ ist einfach das, was die Combo aus Amsterdam im Kern auszeichnet – und das ist ein gut gelaunter, druck voll präsentierter Stilmix, der von den fünf Bandmitgliedern – ganz in der klassischen BeNeLux-Tradition – in kollaborativer Manier eher geschüttelt als gerührt wird, bis am Ende eine durchaus – zwar zuweilen seltsame und verrückte – aber auch eigenständige Power-Pop Melange dabei herauskommt.

Selbst der Versuch, Eut mittels der üblichen Vergleiche mit anderen Bands greifen zu kommen, muss scheitern, denn das Ergebnis wäre eine endlose Liste unterschiedlicher Bands und Acts aus allen möglichen Genres, die druckvolle, lebhafte, laute Musik beinhalten. Als Rockband möchten sich Eut dabei aber dennoch keineswegs verstanden wissen:

„Meiner Meinung nach machen wir keine Rockmusik“, erklärt etwa Sergio Escoda, seines Zeichens Keyboarder und/oder Bassist des Ensembles und so etwas wie das inoffizielle Sprachrohr, „sie ist zwar manchmal recht laut – aber wir nennen das nicht Rockmusik, sondern 'Post-Pop'. Alles, wofür wir stehen, möchten wir musikalisch ausdrücken und dabei hoffentlich ein paar Leute unterhalten.“

„Oder auch nicht“, scherzt Megan de Klerk – und das ist dann auch so eine „Eutlichkeit“; nämlich vielleicht noch die handwerklichen Fähigkeiten und die Musik selbst, aber auf keinen Fall sich selbst ernst zu nehmen.

Der Titel des von Tijmen van Wageningen produzierten, kunterbunten Debütalbums nennt sich ´Fool For The Vibes´ und entstammt einer Textzeile des LP-Openers ´Look (who has decided after all)´. Was will uns dieser Titel denn sagen?

„Was denkst Du denn, was es bedeutet?“ fragt Megan de Klerk zurück. Nun im amerikanischen Englisch gibt es ja den Begriff „being a sucker for“ - was bedeutet, dass man etwas hoffnungslos verfallen ist – ist so etwas vielleicht gemeint? Während wieder die ganze Band unisono beipflichtet, führt es Sergio noch ein wenig aus:

„Das ist das, was all die kleinen Geschichten und Songs auf der Scheibe miteinander verbindet“, erklärt er, „wir sind den Vibes des Albums wie Narren verfallen. Wir erfreuen uns an den kleinen Geschichten, die das Leben bereit hält – aber wir nehmen uns selbst nicht besonders ernst oder wichtig.“

„Ja, lass dich einfach von dem, was Dir widerfährt, forttreiben“, interpretiert es Gitarristin Tessa Raadman.

Die erwähnten Geschichten, auf die Sergio und Tess dabei ansprechen, stammen aus der Feder von Megan de Klerk. Dabei nimmt sie kleine, alltägliche Geschichten und bläst diese dann auf, wie sie sagt – so, als wolle man aus einer Mücke einen Elefanten machen.

„Was willst Du denn aufblasen?“, fragt Sergio. „Nun kleine Sachen, die ich dann größer mache, als sie tatsächlich sind“, erläutert Megan. Gibt es denn ein Thema bei Megan's Texten? Sie scheint ja des öfteren davon zu singen, wie es wäre, einfach nicht da zu sein, zu sterben oder zu verschwinden.

„Das ist schon ein Leitmotiv“, zögert Megan, „es ist aber auch zufällig zustande gekommen. Ich will ja nicht wirklich sterben - ich will leeeeeben ...“

Bei einer Band wie Eut traut man sich ja fast nicht zu fragen, was denn für die Zukunft wohl geplant ist. „TWD“, meint Sergio wie aus der Pistole geschossen, „Total World Domination.“

Aktuelles Album: Fool For The Vibes (V2 Records / H´art)
© 01. November 2018  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Datenschutz
November 2018


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