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ENGST - Feuer!

Das erste Album sollte etwas Besonderes werden. „Wir wollten nicht wahllos Songs auf das Album packen, sondern versuchen, einen musikalischen roten Faden zu spinnen“, erklärt Engst-Gitarrist Ramin Tehrani. 2017 veröffentlichten die Berliner ihre selbstbetitelte Debüt-EP und schickten damit unter anderem den Song ´Hymne der Verlierer´ in die Welt, der genau das thematisiert, was das Quartett nun auch auf ´Flächenbrand´ zeigen möchte: Die Welt besteht nicht nur aus Gewinnern und schönen Momenten. Es gibt auch noch die andere Seite der Medaille.

„Wir sind uns natürlich bewusst, dass viele negative Themen behandelt werden, aber in den meisten Fällen besteht das Leben leider auch aus vielen negativen Erfahrungen. Sei es Herzschmerz oder eben auch Weltschmerz, wenn man dabei zusehen muss, wie viel Unrecht um uns herum passiert. Wir würden uns nicht wohl dabei fühlen, das einfach zu ignorieren und auf heile Welt zu machen.“

Und das würde auch nicht passen. Sänger und Namensgeber der Band Matthias Engst wuchs in einem Berliner Problemviertel auf und lebt dort noch immer. Er hat aus erster Hand miterlebt, wie schnell einem das Leben einen Strich durch die Rechnung machen kann. Nicht verwunderlich also, dass bei ihnen vieles einen autobiographischen Hintergrund hat.

Engst werden als authentisch und unkonventionell beschrieben – wie auch andere deutschsprachigen Rockbands dieser Zeit – doch so ganz wird ihnen das nicht gerecht. Sie sind politisch oder besser gesagt humanistisch („Seit wann ist es politisch, wenn man sich gegen Rassismus und Ausgrenzung von Minderheiten stellt? Das hat mit Politik nichts zu tun, sondern ist einfach nur gesunder Menschenverstand und Empathie.“), kitschig („Ein bisschen Kitsch schadet nie. Es darf nur eine gewisse Grenze nicht überschreiten.“) und augenzwinkernd selbstbewusst. Matthias´ Stärke sind Texte in seiner Muttersprache.

“Wir können die Menschen direkt ansprechen, die Message ist viel stärker als wenn wir das auf Englisch machen würden. Außerdem streben wir nicht zwangsmäßig einen großen internationalen Durchbruch an. Aber Rammstein haben es ja auch geschafft (lacht)“.

Außerdem sind Engst lernwillig.

Innerhalb von kurzer Zeit, zwischen ihrer EP und ihrem Album, haben sie merklich an sich gearbeitet. Haben ihren Sound rockiger gemacht, aber eingängig gelassen, ihre Texte ernster gestaltet. Deutlicher denn je sprechen sie nun Missstände an:

„Guten Tag, wir sind wieder am Start, vielleicht kennen Sie uns noch von vor 80 Jahren. Zu dieser Zeit gab es einige Probleme, doch wir haben uns verändert, heute sind wir Mainstream. Das Programm ist modern und aktuell und wir würden uns freuen, wenn Sie Teil der Bewegung sind. Wir sind weltoffen, bunt und Akzente setzen wir zwar rechts, doch wir haben uns geändert. Aber nichts hat sich geändert. Uns sie schießen wieder mit Raketen auf Spatzen und das kleinste Feuer wird zum Flächenbrand. Und sie schießen wieder auf alles und jeden und am Ende des Tages war’s wieder keiner gewesen. Die Presse lügt, das ist alles legitim, denn nur wir sind besorgt um Sie und ihr Wohlergehen. Keine Rassisten, nur Patrioten, schauen Sie vorbei, wir garantieren, es lohnt sich“, heißt es in ´Mit Raketen auf Spatzen´. Eine klare politische Ansage. Gitarrist Ramin Tehrani ist jedoch der Meinung, dass es gar nicht so einfach sei, solche Statements zu machen. Ihnen scheinen sie allerdings gut von der Hand zu gehen – denn ´Flächenbrand´ ist voll davon.

Blickwinkel werden gewechselt, Details verändert, doch es ist unübersehbar. Trotz anderer Themen kommen Engst immer wieder auf das bereits lodernde Feuer zurück, welches uns alle etwas angeht.

Aktuelles Album: Flächenbrand (Arising Empire)
© 01. November 2018  WESTZEIT ||| Text: Leonie Wiethaup ||| Foto: Claus Puetz ||| Datenschutz
November 2018


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