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ARSTIDIR - Schneevögel

Ragnar Ólafsson hat einen Vogel. Zwar weiß der Isländer nicht so recht, wie der während des Gesprächs munter im Hintergrund zwitschernde Kollege auf Englisch heißt – er ist sich jedoch sicher, dass es sich um einen Blackbird „wie bei den Beatles“ handelt. Dass das Ganze mit Bezug auf ´Nivalis´ - das neue, vierte Album des inzwischen wieder zum Gründungs-Trio geschrumpften, isländischen Folkpop-Projektes Árstídir – von Belang ist, erklärt Ragnar auch gleich:

„'Nivalis' ist der lateinische Name für 'schneeähnlich'“, verrät er zunächst mal, „es wird oft in lateinischen Namen für Pflanzen und Tiere verwendet, die in der Nähe des arktischen Kreises auf der nördlichen Hemisphäre leben. Árstídir, der Name unserer Band, bedeutet ja 'Jahreszeiten' – und wir hatten in unserer Musik immer schon den Bezug zur Natur und insbesondere den Wandel der Jahreszeiten im Blick.“ Und was hat das mit Vögeln zu tun?

„Der Wandel der Jahreszeiten symbolisiert sich für uns am deutlichsten durch die Wanderung von Zugvögeln, die ständig ihre Farben und ihr Federkleid wechseln“, erklärt Ragnar, „und deswegen haben wir auch das Vogelfeder-Motiv auf dem Cover. Übrigens: Als wir mit Árstídir anfingen, hatten wir sogar erwogen uns 'Nivalis' zu nennen. Nachdem wir nun wieder bei unserem ursprünglichen Trio-Besetzung zurückgekehrt sind, fühlte sich das für uns wie ein Zirkelschluss mit einem neuen Anfang an.“

Das erklärt sicherlich auch, warum Árstídir auf dem neuen Album in eine für sie neue Richtung gehen – weg von den ursprünglichen Folk und Klassik-Elementen hin zu einer eher poppigen Ausrichtung, oder?

„Ganz genau“, bestätigt Ragnar, „wir haben zwar die Folk und Klassik-Elemente noch im Sinn, hauptsächlich bauen wir unsere Songs aber um unsere Gesangsharmonien auf. So haben wir schließlich angefangen.“

Es gibt da ein entsprechendes Video, in dem Árstídir in einer U-Bahnstation die Isländische Nationalhymne A Capella intonieren. Dadurch sind sie viral bekannt geworden.

„Ja – aber dabei bleibt es ja nicht“, führt Ragnar aus, „auf jedem unserer Alben pflegen wir nämlich die Veränderung. Unser erstes Album war akustisch live eingespielt und dieses Mal ist es bewusst ein Studio-Album geworden. Wir haben das in einem Studio aufgenommen, in dem es eine feine Sammlung von Vintage-Synthesizern gab, die sich sehr gut mit unseren Vokal-Harmonien mischen ließen. Wir hatten keinen Plan, wie das Album klingen sollte, sondern haben alles mal ausprobiert und gesehen, wie es funktioniert. Dabei haben wir halt viele Synthesizer eingesetzt.“

Worüber singen Árstídir eigentlich? Es ist nicht so, dass man die englischsprachigen Texte nicht verstehen könnte – aber sie sind schwer zu entschlüsseln.

„Wir singen viel über Gefühle, die man als Mensch nun mal empfinden kann“, erläutert Ragnar, „während die Metaphern, die wir verwenden, recht Band-spezifisch sind, indem wir viel über die Natur und den Wandel der Jahreszeiten sprechen. Ich fühle mich aber nicht wirklich wohl dabei, unsere Texte zu erklären. Belassen wir es dabei, dass es um Gefühle geht. Die Texte braucht man gar nicht zu kennen, um die Songs mögen zu können.“

Ein interessanter Aspekt ist die Struktur der Árstídir-Songs, die alle möglichen Formen annehmen können.

„Ja, das ist uns wichtig“, meint Ragnar, „heutzutage ist man ja durch die Streaming-Sache an ein bestimmtes Songformat gewöhnt. Wir sind aber eine Indie-Band die niemals Kompromisse in Bezug auf das Songformat machen würde. Ein guter Song kann so lang sein, wie er will, so lange er nur interessant genug ist. Alles, was man in einen Song packt, muss eine Bedeutung haben. Dabei sind wir durchaus offen für Zufälle.“

Inwiefern?

„Wir sind nicht religiös, aber ich sage immer, dass Zufälle Geschenke vom lieben Gott sind. Wir versuchen, die Musik nicht zu lenken, sondern uns von ihr leiten zu lassen“, erläutert Ragnar, „das mag sich nach New-Age-Quatsch anhören – aber so sehen wir das nun Mal.“

Für die im Herbst anstehende Tour werden sich Árstídir wieder mit zusätzlichen Musikern verstärken und auch die Synthesizer und ein Drumkit mitbringen, um den Sound von ´Nivalis´ entsprechend auch auf der Bühne reproduzieren zu können.

Aktuelles Album: Nivalis (Seasons Of Mist / Soulfood)
© 01. Juli 2018  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Gaui H. Pic ||| Datenschutz
Juli 2018


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