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STEPHEN MALKMUS AND THE JICKS - “Es ist wie bei Tinder.”

Natürlich kann man Stephen Malkmus nicht mit Madonna vergleichen. Oder mit Michael Jackson, Taylor Swift und Justin Bieber. Er ist keiner dieser Musiker, die das Rampenlicht suchen und brauchen, kein klassischer Popstar, der die Welt scheinbar im Sturm erobert hat. Doch er ist bereits seit Jahrzehnten im Geschäft. Er hat vieles erlebt, noch mehr beobachtet, weiß mit Kritik, Erfolg und Niederlagen umzugehen. Stephen Malkmus ist ein Urgestein, eine Ikone, ein Vorbild und Lehrer.

In den 90ern kannte man ihn als den Frontmann der Indie-Heroes Pavement, seit nunmehr 18 Jahren ist er „solo“ mit seiner Band The Jicks unterwegs. Es sind Zeitspannen, die sich frisch gegründete, junge, moderne Bands kaum noch ausmalen können. Schließlich sind die meisten nach kurzzeitigem Betteln um Sympathie und Gunst genauso schnell wieder verschwunden wie sie aus dem Boden gesprossen sind.

„Mit all den anderen Bands um sich herum ist es sehr schwierig, relevant zu bleiben. Aufmerksamkeit zu bekommen, ist leicht, doch sie zu behalten, ganz und gar nicht. Wenn du erst einmal einen guten Song hast, macht das Internet vieles einfacher und schneller; die Frage ist nur: Was musst du tun, damit es so bleibt?“, überlegt Malkmus. Eine Antwort darauf findet er im Verlauf des Gespräches zwar nicht, doch in seiner Position muss er das auch gar nicht.

„Wir gehören zur pre-Internet-Generation, was uns eine gewisse Autorität verleiht“, argumentiert der Musiker. „Heutzutage möchte schließlich noch immer jeder wissen, was beispielsweise Neil Young so macht.“

Stephen Malkmus schlussfolgert und erörtert, als würde er eine Vorlesung abhalten – und seine Notizen dabei vollkommen ignorieren. Er lässt die Erfahrung vieler Jahre sprechen und gibt wie der Dorfälteste sein Wissen an Jüngere weiter.

„Sicher, man möchte sich auch musikalisch mit seiner eigenen Generation identifizieren können, doch trotzdem sollte man gleichzeitig auch neue Sachen hören und immer wieder Neues ausprobieren. Keine Veränderungen zuzulassen, ist der schlimmste Fehler, den man machen kann. Es ist wie bei Tinder: Statistiken zeigen auf, dass Männer, sobald sie in ihren Vierzigern sind, auch gerne mal jüngere Frauen daten, damit es interessant bleibt.“

Stift gezückt und Papier hervorgeholt, der Meister gewährt Einblicke in seine Trickschublade! Also gut, welche Punkte sollte man denn ansonsten beachten? Gute Gesellschaft kann sicherlich nie schaden, oder?

„Der Text für ´Refute´ war bereits fertig und ich hatte auch schon Ideen für Gesangsmelodien ausgearbeitet, doch ich wusste, dass ich für diesen Song ein Feature haben möchte. Ursprünglich hoffte ich, Lorde würde es übernehmen. In der Vergangenheit habe ich ihr mal geholfen, was ich als Grund sah, sie im Gegenzug auch um einen Gefallen zu bitten“, lacht Malkmus. „Auf meine Nachricht hat sie dennoch nicht geantwortet. Dafür mochte Kim die Idee direkt, also ist schließlich doch noch alles gut ausgegangen.“

Von keiner Geringeren als Kim Gordon spricht der Musiker an dieser Stelle. Der Sängerin und Bassistin von Sonic Youth, mit der er seit Jahren eine tiefe Freundschaft pflegt.

„Vielleicht sollte ich für das nächste Album Blur fragen, ob sie Lust auf ein Gitarrensolo haben“, überlegt er und gibt damit gleich noch einen weiteren Rat: Man darf niemals vor Ideen, so verrückt sie auch sein mögen, zurückschrecken. Dieser Gedanke ist wahrscheinlich auch der ausschlaggebende Punkt, warum Malkmus – seines Zeichens mittlerweile Vater mehrerer Kinder – selbst nach Dekaden noch mit Motivation auf seine Musik schaut.

„Sobald du eine Familie hast, hast du automatisch auch jede Menge langweilige – dennoch wichtige – Verpflichtungen. Die Musik ist meine persönliche Unterhaltung und alles, was ich habe, wenn ich nicht den Chauffeur für meine Kinder spiele.“

Das Resümee des Urgesteins folgt auf dem Fuße: Man sollte einfach die Musik machen, die man selber mag – und hoffen, dass man damit nicht ganz allein dasteht.

„Ob meine Kinder meine Musik mögen? Oh nein, sie hören Kanye.“

Aktuelles Album: Sparkle Hard (Domino)
© 01. Juni 2018  WESTZEIT ||| Text: Leonie Wiethaup ||| Foto: James Rexroad ||| Datenschutz
Juni 2018


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