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TWOONACOUCH - Utopie in der Musik

Es klingt wie ein klassisches Problem der Ersten Welt: Man lebt an einem wunderschönen Ort, es fehlt an nichts und doch ist man nicht vollends glücklich und zufrieden. Irgendwas ist eben einfach immer – das bedeutet aber nicht, die alltäglichen Probleme seien unwichtig. Auch diese Dinge prägen den Charakter und machen eine Person erst einzigartig.

Die junger Schweizer Emo-Band Twoonacouch hat das erkannt, ihre Gedanken und Erfahrungen aus den letzten Monaten eingefangen und in all ihrer Schönheit und Grausamkeit niedergeschrieben. Ihr Debütalbum ´And I Left´ ist das Ergebnis – ehrlich, emotional, wirkungsvoll und für jeden, der sich traut, sein Leben auch zu leben, wie ein persönliches Tagebuch. Gedanken, von denen man dachte, sie gehörten einem alleine und niemand könne sie auch nur ansatzweise verstehen, wurden nun von drei jungen Männern aus Luzern in verträumt-atmosphärischen Emo verpackt.

„In jedem Song geht es darum, sich zu finden. Wenn man als junger Erwachsener langsam merkt, worum es im Leben geht. Das Album handelt von Liebe, von Alkohol, von Sachen, die einen selber beschäftigen“, beschreibt Sänger Lars Imgrüth. „Gerade textlich besteht bei uns ein Zusammenhang. Wir haben nicht nur Songs geschrieben, damit wir welche haben, sondern uns Gedanken gemacht.“

Ein Konzeptalbum ist ´And I Left´ zwar nicht, der Idee eines solchen kommt es allerdings sehr nahe. Twoonacouch singen von Verlust (´But Now´), Liebe (´Places“), hohem Erwartungsdruck (´You´) und der Schwierigkeit, Entscheidungen zu treffen, mit denen man auch langfristig glücklich ist (´Decisions´). Etliche Künstler nutzen ihre Musik, um ihrem Ärger und Frust wegen etwas oder jemandem ein Ventil zu verleihen. Das mag seinen Reiz haben, doch es geht auch anders und etwas eleganter – das glaubt man zumindest, wenn man Gitarrist Lauro Meier so zuhört.

„Die Musik ist für uns ein Fluchtort“, bringt er es simpel auf den Punkt. „Wir wenden uns nicht gegen etwas, sondern drücken unsere Utopie musikalisch aus. Auf dem Album verarbeiten wir unsere alltäglichen Gedanken, Ängste und Stimmungen und kreieren für einen Moment unsere perfekte Welt.“

Twoonacouch verzweifeln nicht an den Steinen, die ihnen das Leben in den Weg legt. Sie überwinden sie und machen sich Gedanken über die Konsequenzen und die Lehre, die sie daraus ziehen können.

Mit einer solchen Hürde sahen sich die Schweizer auch während der Albumentstehung konfrontiert. Aufgenommen im ´Studio vom Dach´ im Herzen der Luzerner Neustadt mussten sie gleich mit zwei Faktoren kämpfen: a: ´And I Left´ ist ihr Erstlingswerk und sie wussten nicht, was sie erwarten würde und b: der Betreiber Timo Keller ist im Indie-Pop zuhause und nicht im Punk- oder Emo-Bereich. Es könne sein, dass er nicht den Punkt getroffen hätte, den sie gerne hätten, so Imgrüth. Dieses eine Gefühl würde noch fehlen.

„Als wir die Aufnahmen gemacht haben, haben wir uns ganz oft auf kleine Stellen konzentriert und versucht, Sachen zu ändern. Aber irgendwann muss man einfach sagen, es ist gut, wie es ist“, erinnert sich Schlagzeuger Nicolas Bortoluzzi, was Meier simpel als „gesunde Unzufriedenheit“ zusammenfasst.

Doch so gut dieser Verbesserungswille auch ist, unglücklich müssen Twoonacouch mit den Aufnahmen von ´And I Left´ gewiss nicht sein. Mit ihrer wohlig-emotionalen Musik voller Dynamik und Spannung und Texten aus dem tatsächlichen Leben sind sie ihren Hörern so nahe, wie man es nur sein kann – und erschaffen einen Ort, an dem nicht nur sie sich wie zuhause fühlen.

Aktuelles Album: And I Left (diy)
© 01. Februar 2018  WESTZEIT ||| Text: Leonie Wiethaup
Februar 2018

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