interviews
kunst
artexpo
cartoon
konserven
liesmich.txt
filmriss
dvd
vorlesungs-
verzeichnis

cruiser
agenda
live reviews
stripshow
lottofoon
kontakt
STICK TO YOUR GUNS - Zeugen der Angst

Das Leben ist hart – und hier ist der Soundtrack: Die kalifornische Hardcore-Institution Stick To Your Guns hat sich mit bislang acht Veröffentlichungen seit der Gründung 2003 einen festen Platz in der Szene erarbeitet und auch verdient. Kaum eine Band wirkt ehrlicher und gefestigter als die Mannen um Jesse Barnett, der uns gerne ein paar Fragen rund um die Entstehung des neuen Albums ´True View´ beantwortete.

Es ist gar nicht so lange her, da spaltete sich das Genre in zwei Lager: Die eine Gruppe an Bands klang wie Agnostic Front, die andere wie Hatebreed. Eine wirkliche musikalische und klangliche Identität schienen nur diese beiden Speerspitzen zu besitzen. War es wirklich so schwer, als Band eigenständig zu sein?

„Interessante Frage. Und eigentlich witzig, denn beide Bands wurden legendär, weil sie seinerzeit einfach anders klangen als der Rest. Immer, wenn Du von der Norm abweichst, kommt irgendwoher Kritik auf, das ist halt so. Und man darf auch nie vergessen, dass die Leute keine Veränderungen mögen. Und nein, das ist keine Meinung, sondern wissenschaftlich bewiesen. Merke: Kleine Leute haben Angst vor neuen Dingen und Kleingeister haben immer die größte Schnauze!“

Der Schlüssel zur Identität ist allerdings eher weniger die Heavyness oder das Power Level, es geht wohl eher um die Emotionen und wie man sie verpackt und transportiert, wie Jesse zustimmt – ganz natürlich.

„Ich war immer ein sehr sensibler Mensch, sehr oft nicht zu meinem eigenen Vorteil. Ich weiß nicht genau, warum, aber ich glaube, ich fühle alles besonders intensiv. Ob es mir leicht oder schwer fällt, mich auszudrücken? Keine Ahnung – es passiert einfach so, wie es passiert. Ich habe in anderen Bands versucht, anders Musik zu schreiben, aber so wie bei STYG hat es sich immer am ehrlichsten angefühlt.“

Die Band unterstützt seit jeher gerne wohltätige Organisationen, zuletzt auch ´Actions Not Words´ – eine Charity zugunsten der Bildung von mittelbeminderten Kindern. Spielt hier etwa so etwas wie Zukunftsangst mit, da Bildung ein weltweit derzeit nicht zu verachtender Faktor in unserer Gesellschaft ist?

„Angst ist der Feind Nr. 1 jeder Form von Bildung. Wie schon gesagt, haben viele Leute Angst vor Neuem und schauen oder laufen weg davor – oder sie machen es eben kaputt. Denn das ist einfacher, als mehr darüber zu lernen. Natürlich habe ich Angst vor der Zukunft, aber ich lerne auch, diese Angst zu lösen. Wir können uns nich ständig fürchten und ich glaube, die Künste beweisen das. Es gibt eigentlich keine schönere Art, nicht nur Ängste, sondern auch Hoffnung auszudrücken. Und ich glaube, dass ist es, was wir tun – und damit meine ich nicht nur uns als Band, sondern die ganze Welt. Es ist ganz normal, dass wir alle Angst vor dem haben, was da kommt, aber solange wir uns weiterbilden, werden wir damit umgehen können.“

Die Arbeit mit der genannten Charity brachte STYG nach Kenia, eins der ärmsten und gefährlichsten Länder der Welt...

„Und das war echt hart, ich habe meine eigenen Nöte noch nie unbedeutender erlebt als auf dieser Reise. Alle waren so nett und glücklich und dankbar, uns zu sehen – das war wirklich eine besondere Erfahrung, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Da waren Leute mit selbst gebastelten Stick To Your Guns-Shirts... das war der helle Wahnsinn!“

Nun also ´True View´, ein ganz besonderes Album für die Band, das dieses Erlebnis und noch viel mehr emotionale Momente behandelt.

„Es geht um die neuen Pfade, die ich in der letzten Zeit betreten habe und auf die mich das Leben geführt hat und sehr vielfältige Emotionen: viel Traurigkeit, Angst, Selbstreflektion, Vergebung, Loslassen... Mir egal, ob das alles jemand hören will – das ist das Album, das wir genau jetzt machen mussten, es war absolut notwendig.“

So auch die das Album einrahmende ´Self´-Trilogie?

„Diese drei Songs beschreiben die drei Stufen, die ich auf dem Weg zum inneren Frieden erreichen musste. Manchmal muss ich diese Schritte wiederholen, damit ich Ruhe und Frieden für mich wieder finden kann, aber ich weiß zumindest, wo ich danach suchen muss.“

Einen besonderen Part bekam auch Jesse's Mutter – eine Ihrer Voicemails ist das Intro zum Song „3 feet from peace“.

„Meine Mom hat mir auf meinem Lebensweg am meisten geholfen, diese Platte ist stark von ihr inspiriert worden. Sie ist meine Sonne und mein Mond, einfach alles.“

Aktuelles Album: True View (End Hits Records / Cargo)
© 01. Oktober 2017  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen ||| Foto: Travis Delgado
Oktober 2017

Links

suche