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KITTY, DAISY & LEWIS - The kids are alright

Üblicherweise gehorcht im Musikzirkus bei allem kreativem Chaos doch vieles kapitalistischen Marktmechanismen, weshalb sich zwischen Industrie und Presse ein gut geöltes CD-release-Promorunde-(Club- oder Stadien-)Tour-Getriebe eingespielt hat. Jenes knirschte bei der neuesten KD&L-Platte etwas, denn die Geschwister beehrten Berlin schon im Frühsommer für einen Interviewtag - dabei erscheint ´Superscope´ erst Ende September. Wir redeten trotzdem gern mit den drei Londonern, allein schon wegen ihres wundervoll breiten Akzents.

Gerade standen sie noch zum Soundcheck auf der Bühne des kuschligen ´Privatclubs´ in Kreuzberg, da heisst es im backstage-Raum schon “Hey Mum, the press!” - “So I have to leave?” - “Yes.” Abgang von Raincoats-Legende Ingrid Weiss und einer jungen Frau mit Baby - es kann losgehen.

Schön, euch heute nochmal auf einer etwas intimeren Bühne erleben zu können.

D: “Yeah - it's gonna be fun!”

Wie ist das, stetig berühmter zu werden, Rockstars zu sein?

L: “Es ist natürlich großartig. Aber es kommt sowieso darauf an: im UK ist es noch nicht so der Fall, das dürfte unser schwächster Markt sein. Wenn wir hierher kommen, ist es das komplette Gegenteil. Es gibt hier viele Fans, aber auch jede Menge Leute, die uns nicht so genau kennen, aber diese Art Musik lieben. In Japan ist es genauso. Aber eigentlich ist dieser Ruhm ja nicht das Wichtige, es geht darum, Musik zu spielen und Leute zu finden, die sich daran erfreuen.”

Ändert dieses ´Größerwerden´ eure Art zu musizieren?

D: “Nicht wirklich. Wenn Du im Studio bist und Musik machst, denkst Du nicht an sowas. Du bist in deiner eigenen (Gänsefüßchen werden in die Luft gemalt) 'Zone'. “

Vor zwei Jahren hatte mir Daisy erzählt, dass ihr bei weitem nicht nur ´alte´ Musik hört, sondern auch elektronische Dinge wie Grime...

K: “Oooh - Daisy! Du magst Grime?”

D: “Wenn, dann UK Garage.”

...gut, aber eben doch in einem gewissen Sinn ´underground-dance´. Von daher hätten mich auf der neuen Platte auch elektronische Einflüsse nicht überrascht. Aber ihr spielt weiter ganz traditionell.

L: “Es hängt am Ende vom jeweiligen Song ab. Wir beschränken uns nicht selbst bei den Instrumenten, die wir benutzen, nur weil sie so sind wie sie sind - akustisch oder elektronisch. Wenn wir etwas mit einem Song ausprobieren und es funktioniert - prima. Wenn es nicht funktioniert, dann eben nicht. Aber Du hast schon recht, die neuen Songs sind sehr reduziert, sehr 'stripped back'. Wir haben oft im finalen Mix etliche Sachen wieder aus dem Stück rausgenommen. Wenn wir der Meinung waren, das ein bestimmtes Element vielleicht überflüssig sein könnte, haben wir den Song 'mit' und 'ohne' gehört. Und uns meistens dafür entscheiden, Sachen wegzuznehmen.”

K: “Less is more. Meistens. Wenn du zuviel einbaust, verhüllst du den Song. Das Fett muss von den Knochen runter.”

Sind eure Eltern in den kreativen Prozess des Songschreibens eingebunden?

D: “Nein, es ist unsere Band. Die beiden spielen weiter live mit uns, aber es ist nicht wirklich ´ihr´ Ding. Es ist unser Projekt. Sie sitzen nicht hier und beantworten Fragen - das ist unsere Sache. Aber wir sind ihnen natürlich sehr dankbar.”

Ihr spielt gern live. Aber seid ihr auch gern auf Tour?

K: “Ja, unbedingt! Es ist anstrengend, aber 'great fun'.”

L: “It's fucking great!”

D: “Es ist unser Job. Und wir lieben ihn. Wirklich.”

L: “Es ist nur dann schlecht, wenn du auf Tour krank wirst. Wenn einer krank wird, verteilt er es an alle anderen. Das ist dann kein Spaß. Oder wenn einer seine Stimme verliert. Dann kannst du nur tagsüber den Mund halten und hoffen, abends auf der Bühne kommt irgendwas raus.”

Das war dann wenige Minuten später auf der Privatclub-Bühne weiß Gott so - aus Kehlen und Händen kam jede Menge ´raus´ und der Laden kochte innerhalb von Minuten. Anfang November brodeln dann die etwas größeren Hallen - wir sehen uns!

Aktuelles Album: Superscope (Sunday Best / PIAS)
© 01. Oktober 2017  WESTZEIT ||| Text: Karsten Zimalla ||| Foto: Steve Gullick
Oktober 2017

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