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THE DREAM SYNDICATE - 21st Century Dream Syndicate

Als Steve Wynn Anfang der 80er Jahre – zusammen mit seinen Jugendfreunden Karl Precoda, Dennis Duck und Kendra Smith – in Los Angeles die Band The Dream Syndicate ins Leben rief, sah die Musiklandschaft noch etwas anders aus als heute. Damals war es einer Gruppe junger, entschlossener Musiker durchaus möglich, ein ganzes Genre alleine aufgrund ihrer Reputation zu etablieren.

Der Paisley Underground – dem auch Acts wie Green On Red oder die Long Ryders angehörten – prägte für lange Zeit das Bild handgemachter Gitarrenmusik, die zwar durchaus die musikalische Historie berücksichtigte, sich aber mit frischer Kraft als Alternative zum damals dominierenden New Wave-Pop und dem Big Hair Rock anbot. Im Wesentlichen hat sich das bis heute eigentlich nicht geändert – mal abgesehen davon, dass die Feindbilder sich vervielfältigt haben und alles eine kürzere Halbwertzeit hat. Vielleicht war es deswegen keine schlechte Idee, die Dream Syndicate Legende nun noch ein Mal mit neuem Leben zu erfüllen. Anlass war dafür ein Benefiz-Konzert, für das Steve schnellstmöglich eine Band zusammentrommeln musste, weil die Mitglieder der anderen Projekte, an denen er beteiligt ist, gerade nicht verfügbar waren. Das nun vorliegende, neue Album ´How Did I Find Myself Here?´ geht aber deutlich über eine Reunion-Aktion hinaus, denn es gibt hier nur neues Material zu hören. Und dieses kommt mit einem sehr spezifischen Wall Of Sound-Design daher und beinhaltet gleich mehrere Referenzen auf die von Steve sehr geschätzten Inspirationsquellen Kraut- und Prog-Rock.

„Auf jeden Fall“, räumt Steve ein, „nimm Songs wie ´The Circle´– der enthält die komplexeste Akkordfolge die ich je geschrieben habe – mit 13 Akkordwechseln - und könnte fast als Prog-Rock Titel durchgehen während gleich mehrere Songs in guter Kraut-Manier auf einem einzigen Akkord beruhen und sich die Dynamik aus der Interaktion zwischen Jason Victor und mir ergibt.“

Jason Victor ist der Gitarrist von Steve´s „anderer Band“ The Miracle 3, den Steve als Ersatz für den ursprünglichen Gitarristen Karl Precoda, zu dem er keinen Kontakt mehr pflegt, engagiert hatte. Was war denn eigentlich das Ziel der neuen Scheibe?

„Da gibt es mehrere“, führt Steve aus, „zum einen funktionierten die Shows, die wir zunächst spielten, so gut, dass ich mehr und mehr den Eindruck gewann, dass diese Band nun auch die echten Dream Syndicate sind. Es ging hier also nicht um Nostalgie, sondern eine lebendige Angelegenheit mit derselben Energie, die wir damals verspürten. Ich habe mir dann gedacht, dass wir neue Songs brauchten, denn ich will nicht immer nur die alten Sachen spielen. Ich bin fest dazu entschlossen, zu demonstrieren, dass The Dream Syndicate – trotz des Namens aus dem letzten Jahrhundert – eine Band der Gegenwart, des 21. Jahrhunderts ist. Wir handeln natürlich auch mit den Erinnerungen – aber wir sind keine Retro-Band.“

Produziert wurde das Album von Steve selbst und dem alten Freund aus Paisley-Tagen, Chris Cacavas (ehemals Green On Red). Was war denn der Grund dafür?

„Wer mich kennt, der weiß, dass ich immer gerne schnell arbeite – am liebsten in einem Take – und es dann auch dabei belasse“, erklärt Steve, „Chris forderte mich damit heraus, mal innezuhalten, etwas Seltsames auszuprobieren und dann damit eine Neuinterpretation zu wagen.“

Wie ist denn der Titel des neuen Albums zu verstehen? „Ich bin in New York umgezogen nach Queens in den Stadtteil Jackson Heights, der nur drei Haltestellen von Manhattan entfernt ist, aber eine ganz andere Welt darstellt“, erklärt Steve, „wie New York in den 80ern. Da habe ich mich gefragt, wie ich denn da wohl hingeraten bin. Daraus hat sich dann das universelle Thema für die Scheibe ergeben – denn sind wir nicht alle an dem Punkt angekommen, an dem wir uns fragen, wie wir dahin geraten sind, wo wir sind?“

Aktuelles Album: How Did I Find Myself Here? (Anti / Indigo) VÖ: 08.09.
© 01. September 2017  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Chris Sikich
September 2017

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