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JAPANESE BREAKFAST - Reise in die Zukunft

Als Michelle Zauner letztes Jahr begann, Musik in eigener Regie aufzunehmen, nachdem sie zuvor die Indie-Pop Gruppe Little Big League geleitet hatte, geschah das nicht ganz freiwillig, denn die Songs, die Sie letztlich unter dem Projektnamen Japanese Breakfast auf dem Album ´Psychopomp´ veröffentlichte, entstanden unter dem Eindruck der tödlichen Krebserkrankung ihrer Mutter, die sie auf diese Weise thematisierte und verarbeitete.

Der Titel des neuen Werkes, ´Soft Sounds From Another Planet´ deutet schon an, dass es dieses Mal in eine andere Richtung geht. Ein Eindruck, der sich noch verstärkt, wenn man sich das neue Video zu ihrem Song ´Machinist´ betrachtet, das visuell stark von klassischen Science Fiction Filmen wie ´2001´ oder ´Alien´ inspiriert wurde. Ist ´Soft Sounds´ somit vielleicht ein Konzept-Album geworden?

„Nicht ganz“, schränkt Michelle ein, „der Grundgedanke war ursprünglich der, ein Science Fiction Musical zu schreiben, weil ich fühlte, dass ich mich nicht weiter mit dem Tod meiner Mutter auseinandersetzen konnte und ich einfach etwas anderes machen müsste.“

Das hat aber nicht funktioniert, oder?

„Nein, denn als ich begann, an den Songs zu arbeiten, merkte ich, dass das Ganze doch eher wie ein Vorwand für mich war. Ich realisierte, dass ich den Tod meiner Mutter immer noch nicht verarbeitet hatte. Ich denke also, dass sich das Thema dann doch wieder in die Songs eingeschlichen hat und die Songs so am Ende von vielen verschiedenen Themen handeln. ´The Machinist´ ist aber ein Überbleibsel aus der Musical-Idee.“

Das heißt dann aber wohl auch, dass man über den Tod seiner Eltern nicht wirklich hinwegkommen kann, oder?

„Absolut“, bestätigt Michelle, „es ist etwas anderes, seine Eltern zu verlieren als Freunde oder Bekannte.“

Was bedeutet denn der Science Fiction-Aspekt für Michelle?

„Wir leben ja heute in einer Zeit, in der die Ideen der Science Fiction sehr real werden“, führt sie aus, „unser Planet stirbt ja langsam und wir sollten langsam mal drüber nachdenken, einen anderen Planeten zu kolonisieren. Das sind natürlich angsteinflößende Gedanken – aber ich denke, es wird die Zeit kommen, in der wir nicht mehr vor die Tür gehen können aufgrund der sich ändernden Wetterbedingungen.“

Die Songs des Albums sind musikalisch sehr unterschiedlich ausgefallen. Wo sieht Michelle selbst den roten Faden, der für sie alles miteinander verbindet?

„Ich denke, dass die Songs dokumentieren, wo ich mich gerade in meinem Leben befunden habe, als ich sie schrieb“, überlegt sie, „und ich glaube, dass die Songs auf diesem Album alle irgendwie verschiedene Partner haben. Bei 'Boyish' zum Beispiel ging es um ein groß angelegtes Arrangement mit Phil Spector- oder Roy Orbison-Touch. Bei Songs wie 'Road Head' oder 'Machinist' ging es eher um die elektronischen Aspekte während 'Body Is A Blade' als Rocksong angelegt ist. Am Ende ist es aber so, dass – wenn die Songs das Produkt einer Person sind - sich auch dieselben inhaltlichen und musikalischen Einflüsse bemerkbar machen.“

Und wie findet Michelle dann zu dem Format ihrer jeweiligen Songs? Etwa, indem sie jammt? „Nein – ganz und gar nicht, denn ich hasse es, zu jammen“, verneint Michelle, „ich strukturiere immer alles sehr genau durch. Deswegen mag ich auch das Projekt Japanese Breakfast so – weil dort immer alles absichtlich geschieht. Ich probiere dabei schon eine ganze Menge aus – aber es ist alles sehr geordnet. Schwierig ist es, herauszufinden, wenn etwas fertig ist. Das ist für mich immer dann soweit, wenn jeder neue Schritt sich anfühlt, wie ein Schritt zurück.“

Auf diese Weise ist ´Soft Songs´ so eine Art musikalischer Reise, auf die Michelle den Zuhörer mitnimmt – ohne dass es dabei drauf ankommt, wohin die Reise wohl führen mag ...

Aktuelles Album: Soft Sounds From Another Planet (Dead Oceans / Cargo) Vö: 14.07.
© 01. Juli 2017  WESTZEIT ||| Text: Ullrich Maurer ||| Foto: Ebru Yildiz
Juli 2017

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