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BETONTOD - None of the Above

1990 gründeten fünf Gesellen aus Rheinberg die Band Extrem, die sich nach einer ´kolumbianischen Grippe´ in Sniffin’ Kills umbenannt haben, um im Anschluss als Betontod durchzustarten, die - neben sieben Studioalben, zwei Livealben, zwei Re-Releases, einer EP, einer Vielzahl an Samplerbeiträgen, vier Singles und zwei Split-Veröffentlichungen - Ende letzten Jahres ihr 1000. Konzert gespielt haben. Betontod assoziiert eine Schnittmenge aus Beton Combo (´Nazis Raus´) und den Song ´Zurück zum Beton´ (S.Y.P.H.), eine mentale Verknüpfung, die den einstigen Stand der Dinge ziemlich lebensecht wiedergibt. Punk vs. Rock müssen nicht modern sein, sondern müssen funktionieren – mit Wut, Herz und Attitüde.

Musikalisch kreieren Betontod auf Ihrer aktuellen achten LP ´Revolution´ abermals eine Kombination aus deutschsprachigem Punk und Rock(´n´Roll) mit Metal-Anleihen und Straßenköter-Mentalität. Musikalisch wandern sie auf den Spuren von Terrorgruppe, Loikämie, Slime und Broilers. In Zeiten von AfD und Terroranschlägen religiöser Natur setzten Betontod mit ´Revolution´ ein Zeichen für sozial denkende Menschen (und) gegen willkürliche Staatsgewalt. Wehret den Anfängen – denen einer Revolte sowieso - und von daher Grund genug für einen Faktencheck mit Frank Vohwinkel, dem Mann an der Gitarre.

Was war der ausschlaggebende Grund, Euch Betontod zu nennen?

„Ganz einfach eine Zeit, in der man sich keinen großen Kopf um einen Bandnamen gemacht hat. Wir waren auf der Suche und jeder hat seine Vorschläge eingebracht. Da kamen teilweise sehr skurrile Namen auf den Tisch und Betontod hat allen irgendwie gefallen und den es so noch nicht gab.“

Was ist die Triebfeder, dass sich die Texte Eurer Songs vorrangig mit den sozialen und gesellschaftlichen Kernaussagen des Alltäglichen auseinandersetzen?

„Unser Antrieb ist die Kluft in der Gesellschaft zwischen denen ganz oben und denen ganz unten zu schließen. So lange das nicht gelingt wird es uns geben - als Stimme derer da ganz unten. Das mag man als Klischee abtun, aber wir sind nah genug dran, um denen da unten eine Stimme geben zu können, die durchdringt. Wir sagen die Dinge nicht durch Blumen, sondern in einem Duktus, den jeder versteht.“

Welche Attribute habt Ihr Euch auf die Fahne geschrieben?

„Freundschaft, Authentizität und Verlässlichkeit. Wir haben uns menschlich und musikalisch weiterentwickelt, haben den Willen zur Veränderung, sind verlässlich und wollen keinesfalls auf der Stelle stehen.”

Hat sich Betontod tendenziell dem Deutschrock oder eher dem deutschsprachigen Punk verschrieben?

„Wie kommst Du darauf, dass wir uns dem Deutschrock verschrieben haben? Das verstehe ich gerade nicht. Wir sind eine reinrassige deutsche Punkband. Das waren wir immer und werden es immer sein. Wir sehen die Deutschrock-Szene mit zweierlei Gefühlen. Einerseits gibt es da sehr viele Leute, die vollends ok sind. Andererseits gibt es in dieser Szene einige Hohlbirnen, genährt durch Bands, die nicht akzeptabel sind.“

Wodurch hebt sich Betontod aus der Masse von Bands eures Genres ab bzw. hervor?

„Warum müssen wir uns hervorheben? Wir machen unser Ding und das schon seit 26 Jahren. Ende letzten Jahres standen 3500 Leute vor unserer Bühne. Das reicht uns als Antwort. Alle Fragen, die man sich stellt, werden an so einem Tag beantwortet und wir können sagen, dass wir vieles richtiggemacht haben.“

Euer aktuelles Studioalbum trägt den eher trivialen Titel ´Revolution´. Welche Bedeutung hat dieser Titel für Euch und was wollt Ihr damit ausdrücken?

„Der Titel steht für die Veränderung in den Köpfen der Leute in unserem Land. Dafür, dass wir uns auf gesellschaftliche Werte wie Menschlichkeit, Empathie und soziale Verantwortung besinnen. Könnten wir dieses Bewusstsein transportieren, wäre das die wichtigste Revolution seit vielen Jahren. Und das finden wir nicht trivial, sondern extrem wichtig. Wir offerieren den Leuten, dass gesäter Hass nicht aufgeht und Saat aus Hass giftige Kost ist. Dessen ungeachtet haben wir kein Verständnis dafür, dass viele Medien reichlich Wasser auf diese Saat geben, denn irgendwann werden sie die gerufenen Geister nicht mehr los.“

Was unterscheidet ´Revolution´ im direkten Vergleich mit Euren vorherigen Alben?

“Wir haben aus unserer Sicht nur die Dinge verändert, die uns am letzten Album gestört haben. Das haben wir zusammen mit unseren Fans gemacht. Wir sind einen Schritt zurück auf unsere Wurzeln gegangen. Das versuchen wir schon seit zwei, drei Alben. Diesmal hat es funktioniert!”

Seid Ihr mit all euren Veröffentlichungen gleichermaßen zufrieden – und was ist euer Lieblingssong?

„Rückwirkend würden wir immer das eine oder andere Lied anders gestalten oder schreiben aber wir bereuen Gott sei Dank keinen einzigen unserer Songs. Wir finden manche heute halt nicht mehr so prall. Jeder Musiker der sich das nicht eingesteht, belügt sich selbst. Und was den Lieblingssong angeht, aktuell ´Keine Popsongs´, weil dieser Song unser Anliegen am ehesten beschreibt.“

Ihr habt im Laufe Eures Schaffens sicherlich so einiges erlebt. Was war Euer Highlight und was Euer größtes Debakel?

„Das Highlight war unser 1000 Konzert am 17.12.2016 in der Düsseldorfer Mitsubishi Electric Hall. Es war cool zu sehen, wie viele Leute nur wegen uns den Weg - teilweise aus Österreich und der Schweiz - auf sich genommen haben. Das ehrt uns! Das größte Debakel war, als wir am Ende eines Konzertes nur noch zu viert auf der Bühne standen, alldieweil einer zu besoffen war, das Konzert zu Ende zu spielen. Es würde heute nicht mehr vorkommen, da wir unserer Verantwortung gegenüber Fans viel bewusster geworden sind.“

Aktuelles Album: Revolution (Arising Empire)
© 02. Februar 2017  WESTZEIT ||| Text: Georg Lommen ||| Foto: Boris Breuer
Februar 2017

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