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DAVE HAUSE - Der rastlose Songarbeiter

Es ist kurz vor Weihnachten, als wir Dave Hause in seiner Wahlheimat Kalifornien zum Interview erreichen. Er freut sich nach den umtriebigen vergangenen Wochen auf Tage im Kreise seiner Liebsten und wirkt trotzdem irgendwie rastlos, was aber auch verständlich ist: Mit ´Bury Me In Philly´ steht ein Album in den Startlöchern, das ihn als einen der hochwertigsten US-Exporte im Songwriter-Genre präsentiert.

Bereits seit Ende September ist das Album fix und fertig, die Zeit bis zur nun endlich stattfindenden Veröffentlichung dagegen ist vermeintlich endlos.

„Zum Glück waren wir gleich nach der Fertigstellung des Albums in den USA im Vorprogramm von Bad Religion auf Tour, also konnten wir uns auf etwas anderes konzentrieren und hatten gut zu tun. Ansonsten ist diese elende Warterei natürlich der totale Horror.“

Obwohl: Der Herr Hause ist durchaus Realist und weiß, dass gut Ding Weile haben will.

„Ich hatte knapp 40 Songs für vor dieser Recordingsession geschrieben und es war verdammt viel Arbeit und auch ein echtes Luxusproblem, 11 daraus auszuwählen und so zu gestalten, wie sie jetzt sind. Ich probiere immer gerne viel aus und manche Songs verschwinden dabei dann wieder in der Schublade – womöglich kommen sie nach einiger Zeit aber auch wieder heraus. Ja, ein Album zu schreiben ist schon aufwändig. Und ehrlich gesagt habe ich auch immer gedacht, dass man es dann auch viel schneller auf die Straße bekommt, aber dem ist einfach nicht so, da gehört halt auch eine ganze Menge mehr hinzu: Artwork, Promo, Touren...“

Trotz allem ist Dave ein Verfechter des Albumformats, da es eine schöne Herausforderung für ihn ist, die richtige Mischung an Songs zu finden.

„Ich bin in einer Zeit groß geworden, wo das Album die allseits präferierte Veröffentlichungsform war. Leider kam dann eine Zeit in den 90ern, in denen Bands mit Singles berühmt wurden und das Prinzip „one killer, many fillers“ zuhauf anzutreffen war. Wenn man sich dagegen die Alben von den Beatles, den Stones und The Who anhört, die komplette Statements waren – und es gibt auch heute noch Bands, die das schaffen – das ist ganz große Kunst. Mir war es wichtig, jetzt, auf meinem dritten Album, ein durchgängiges Thema zu haben. Für die Zukunft ist das aber nicht gesetzt. Vielleicht fühlt es sich demnächst für mich richtiger an, mehr in Songs und weniger in Songsammlungen zu denken.“

Die Kunst, viele Songs wie aus einem Guss wirken zu lassen und trotzdem für Überraschungen zu sorgen, beherrscht Hause perfekt. Gerade Songs wie „The Mermaid“ oder „Dirty Fucker“ machen das Album aufgrund ihres etwas anderen Grooves und Vibes höchst interessant und fordern den Hörer durchaus.

„Es war eine ganz bewusste Entscheidung, den Hörer hier und da auch aus den gewohnten Standards herauszuziehen. Inzwischen habe ich eine treue Hörerschaft und die möchte ich natürlich nicht langweilen, sondern im besten Sinne herausfordern. Diese Songs würden alleine stehend vielleicht nicht so auffallen und als normale Dave Hause-Songs durchgehen. Sie tragen immer noch meine Handschrift, sie wirken im Albumkontext halt nur ein bisschen anders.“

Unterstützung für die Produktion holte Dave sich bei keinem geringeren als The Hooters-Mastermind Eric Bazilian. Ja, The Hooters – eine der Bands, die er womöglich eben meinte, also er von denen sprach, die nur einen Single-Hit aber kein vollwertiges Album vorweisen können? Wie passt das zusammen?

„Als ich Eric kennen und schätzen gelernt habe, haben wir viel über seine eigene Karriere gesprochen. Sie kamen damals eben nicht aus der Punkrock-Ecke, wo man einfach überall gespielt hat. Die spielten mehr dieses „Major Label Hit Game´, was eigentlich viel härter war in einer Zeit, wo es nur Alben und Radio gab. Die Infrastruktur gab einfach nicht mehr her. Aber Eric wusste schon damals, was er tat. Er hatte ja nicht nur einen Hit mit seiner eigenen Band, sondern war auch an vielen anderen dieser Zeit beteiligt.“

Und sein größter Einfluss auf diesem Album?

„Zum einen die Gitarrenarbeit. Das Verrückteste, was er getan hat, war aber die Tatsache, dass er stetig daran arbeitete, mich wieder zurück auf meine ursprüngliche Linie zu bringen. Er hat gespürt, was die Songs ausmacht und es ist rückblickend eine große Ehre, dass wir diese Basis so erhalten haben.“

Aktuelles Album: Bury Me In Philly (Uncle M)
© 01. Februar 2017  WESTZEIT ||| Text: Axel Nothen
Februar 2017

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